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1

Dienstag, 12. Februar 2019, 18:41

Süddeutsche Zeitung 10.02.2019: Muss das Fett weg?

Nun bekommt die Aktion um Hendrikje ter Balk & Co. ihr Fett weg!

Die Befürchtungen sind nun leider eingetreten. In der Süddeutschen Zeitung wurde kräftig ausgeteilt, zwar online hinter der Bezahlschranke, aber eben - auch in der Printversion - mit voller Wucht:

Zitat

Viele Frauen vermuten zu Unrecht, an einem krankhaften Lipödem zu leiden. Ausgerechnet Gesundheitsminister Spahn befördert jetzt diesen Trend - er will das Fettabsaugen in diesem Fall zur Kassenleistung machen.

Zitat

„Sie möchten einen anderen Körper haben, so wie man ein neues Kleid kauft.“
„Der Bundesminister für Gesundheit verbreitet völlig falsche Zahlen.“
„Jede 10. Frau hätte ein Lipödem, heißt es in Selbsthilfegruppen, Talkshows und Medien.“
„Nur wenn man jedes dickere Bein, das völlig beschwerdefrei ist, als Lipödem bezeichnet, kann es sein, das man auf solche Zahlen kommt.“
„Diese Statistik ist völlig falsch.“
„Manche Operateure saugen jedes Frauenbein ab, das nicht schnell genug auf dem Baum ist.“
„Der Chirurg hat mehrere Mitarbeiter, die sich um seinen Social-Media-Auftritt kümmern.


https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/l…35?reduced=true

PandoraH

Erleuchteter

Beiträge: 2 798

Registrierungsdatum: 3. September 2011

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2

Dienstag, 12. Februar 2019, 19:33

Hallo,

obwohl ich die gute Absicht hinter der Aktion sehe, stand ich ihr in dieser Form mit dem ausgelösten Medienhype und den Protagonistinnen kritisch gegenüber, dazu aber anschließend mehr, denn zuallererst möchte ich darauf aufmerksam machen, dass die Quelle einiger Aussagen bei einem Mediziner (Tobias Bertsch) zu suchen ist, der Mitarbeiter der Földi-Klinik ist. Hat man dort vielleicht Sorge um die eigenen Pfründe, kann man sich bestimmt fragen, denn die Földi-Klinik verdient schließlich nicht schlecht an der konservativen Therapie, die angeblich beim Lipödem auch umstritten scheint.

Dass evtl. die Anzahl der betroffenen Frauen bereinigt werden muss, spielt für mich eine untergeordnete Rolle, denn diese evtl fehlerhafte Schätzung soll auf älteren Aussagen einer Lymphologischen Fachklinik beruhen, ist also nicht der betreffenden Patientengrupoe anzulasten.

Was ich an der Aktion kritisiere, ist, dass - immer rund um eine bestimmte Privatklinik - entweder Frauen mit Modelmaßen präsentiert werden oder auf YouTube welche, denen man eine Adipositas per magna eher ansieht als das vielleicht unter Fettmassen verborgene Lipödem. Da muss man sich wirklich nicht wundern, wenn eine negative Einstellung eingenommen wird.

Das alles schadet den wirklich Betroffenen, die weder unter Schönheitsheitswahn noch unter massiver Fettleibigkeit leiden, sondern Schmerzen und nicht selten Sekundärschäden am Bewegungsapparat erleiden in fortgeschrittenen Stadien. Es wird Zeit, dass diese Frauen adäquat behandelt und nicht hingehalten werden.

Bis es soweit ist, werden sich Lymphkliniken und Schönheitskliniken vielleicht Geschäftemacherei vorwerfen lassen müssen, aber die chirurgische Behandlung der zumeist gesetzlich versicherten Betroffenen wird dann ohnehin woanders erfolgen.
Viele Grüße
Pandora

„Hoffnung ist eben nicht Optimismus, ist nicht Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat - ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.“
(Vaclav Havel)

Das Lipödem-Board auf Facebook (die Seite ist ohne Registrierungsvorgang zugänglich):
https://www.facebook.com/pages/Lipödem-B…654923054524175

PandoraH

Erleuchteter

Beiträge: 2 798

Registrierungsdatum: 3. September 2011

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3

Mittwoch, 13. Februar 2019, 13:54

Wir fragen uns dennoch: Ist nicht den Autorinnen des Artikels in der Süddeutschen Zeitung u. U. ein Recherchefehler unterlaufen?

Und: Soll nicht in erster Linie Spahn als Politiker und derzeitiger Bundesgesundheitsminister disqualifiziert werden, indem ihm vorgeworfen wird, falsche Zahlen zu verwenden?


Die genannten Zahlen von Lipödem betroffener Frauen schwanken zwischen geschätzten ca. 3,8 Mio. und 80.000. Davon abgesehen, dass sich auch für „nur“ 80.000 erkrankte Frauen eine chirurgische Behandlung (Liposuktion) lohnen würde, sollte die Quelle dieser in den Raum geworfenen Zahl einmal hinterfragt werden. Dr. Ulrich Herpertz (Internist und Ödematologe) nennt diese Zahl von 80.000 nicht für das Lipödem, sondern für das sekundäre Lymphödem, also eine ganz andere Erkrankung.

Zitat

Sekundäre Lymphödeme sind doppelt so häufig (80.000 in D) wie primäre Lymphödeme und entstehen meist als Folge einer Lymphknotenoperation und/oder Bestrahlung an den Extremitätenwurzeln wegen Krebserkrankung.
http://www.lymphforum.de (Vorsicht, mit Bildmaterial)

Nun ist uns bei einer Kurzrecherche im Netz aufgefallen, dass diese Quelle (Dr. Herpertz) angegeben wird, die Zahl 80.000 sich dort jedoch seltsamerweise auf das Lipödem beziehen soll.

Zitat

...Schätzungen zufolge sind es ca. 80.000 (Quelle: Dr. Ulrich Herpertz) wenn nicht 500.000 und mehr Frauen allein in Deutschland, die von der krankhaften Vermehrung von Fettzellen betroffen sind,...
https://www.lipolymphoedem.de/lipoedem/ (eine Seite contra Liposuktion)

Last but not least hätte es dem Artikel auch sonst gut getan, wenn ein national und international anerkannter Lymphchirurg, wie z. B. PD Dr. Felmerer von der Universitätsmedizin Göttingen, zu Rate gezogen worden wäre und nicht nur die Verfechter der leider unzureichendenden konservativen Therapie, allen voran der Oberarzt der Földi-Klinik als, wie es scheint, Sprecher dieser Verfechter der konservativen Therapie, die dort in der Klinik angeboten wird.

An unseren Kritikpunkten bezüglich der Auftritte der Patientengruppe halten wir zwar fest (siehe vorstehendes Posting), jedoch bemängeln wir genauso diese in unseren Augen nicht objektive journalistische Leistung.
Viele Grüße
Pandora

„Hoffnung ist eben nicht Optimismus, ist nicht Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat - ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.“
(Vaclav Havel)

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